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2003 -Andreas Schillinger bei WM-Debüt auf Rang 22
mit bis zu 97 km/h durch die Stadt Kümmersbruck. Einen kurzen Moment sahen sie ihn: "Er kam gerade um die Kurve, hatte vielleicht noch eine Minute bis ins Ziel. Und ausgerechnet dann kam Werbung." Enttäuscht blickten Christa und Ulli Schillinger im heimischen Wohnzimmer in Haselmühl auf den Fernseher. Sie verpassten am Dienstagabend die Zielankunft von Sohn Andreas bei den Weltmeisterschaften der Radrennfahrer im kanadischen Hamilton.
"Nein, das haben sie mir gar nicht erzählt", sagte Andreas Schillinger, der seine Eltern noch in der Nacht angerufen hatte. Platz 22 im U23-Einzelzeitfahren - ein glänzendes WM-Debüt für den 20-jährigen Haselmühler, seit zwei Jahren in Diensten des thüringer Rennstalls Teag-Team Köstritzer. "Ich wollte unter die ersten 20 kommen. Das hat ganz knapp nicht geklappt. Trotzdem: Ich bin sehr zufrieden." 40:58 Minuten benötigte Schillinger für die kraftraubenden 30,8 Kilometer durch Hamilton - gerade einmal 20 Sekunden mehr als der Kolumbianer Rafael Infantino Abreu auf Rang 20.
Etwas weiche Knie habe er gehabt vor dem Startschuss, gesteht Andreas Schillinger. "Es ist wahnsinnig beeindruckend, eine WM ist einfach etwas Besonderes. Da ist man schon nervös." Aufregung, die sich schnell legte. Auf dem zweimal zu durchfahrenden 15,4 Kilometer langen Stadtkurs konzentrierte sich der gelernte Werkzeugmechaniker auf sein einsames Rennen gegen die Uhr, nahm bei Höchstgeschwindigkeiten von 97 km/h die hinter den Absperrgittern anfeuernden Zuschauer im "Vorbeifliegen" nur schemenhaft wahr. Zweimal bremste ein Berg die rasante Fahrt: rund 1000 Meter lang, acht Prozent Steigung (zum Vergleich: Der Grammer-Berg in Haselmühl hat eine Steigung von zehn Prozent). "Das war schon happig", sagte Schillinger, "vor allem oben dann wieder in den Rhythmus zu kommen."
In Runde eins hatte er noch Probleme mit dem Berg ("da habe ich bestimmt 30 Sekunden verloren"), beim zweiten Mal klappte es. Schillinger kam ins Rollen, überholte bei Kilometer 23 den eineinhalb Minuten vor ihm gestarteten Polen Blazej Janiaczyk und erreichte nach 40:58 Minuten das Ziel.
Zwei Minuten und 23 Sekunden schneller war Markus Fothen (Team Köstritzer), mit dem Schillinger das Hotelzimmer in Hamilton teilt. Der 22-jährige Rheinländer, ab 2004 beim Team Gerolsteiner unter Vertrag, holte sich mit einer Zeit von 38:35 Minuten (Durchschnittsgeschwindigkeit 47,11 km/h) Gold und machte damit den Einzelzeitfahr-Dreierpack (Deutscher Meister, Europameister und Weltmeister in diesem Jahr) perfekt. Schillinger: "Für ihn freut es mich riesig." Im Mannschaftshotel wurde auf den Titelgewinn angestoßen, ein, zwei Gläser Sekt getrunken - und früh ins Bett gegangen.
Am Freitag steht das Straßenrennen U23 über 173,6 Kilometer auf dem WM-Terminplan. Aller Voraussicht nach mit Markus Fothen, Marcus Burghardt (Zschopau), Christian Knees (Köln) und Heinrich Haussler (Cottbus) - ohne Andreas Schillinger. "Ich gehe davon aus, dass ich nicht mit dabei bin." Trotzdem trainiert er mit dem deutschen Nationalteam, für den Fall der Fälle. "Sollte einer ausfallen, würde ich nachrücken."
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